Hummels vs. Träsch – ein Vergleich (Teil 2)
Fortsetzung des Artikels “Hummels vs. Träsch – Teil 1″

Betrachtet man die Leistungen der beiden Spieler in der Vergangenheit so liegt der Vorteil eigentlich auf der Seite von Hummels. Da Fussball aber bekanntlich ein Tagesgeschäft ist, war es natürlich interessant die Leistungen der beiden Spieler im Bundesligaspiel am Sonntag zu vergleichen. Dort traf in Stuttgart die Mannschaft von Mats Hummels, die Borussia aus Dortmund, und von Christian Träsch, der VFB Stuttgart, aufeinander. Beide Spieler spielten 90Minuten durch und waren Beide an zwei Toren des 4:1 Endstandes direkt beteiligt. Aber der Reihe nach.
1. Halbzeit
Die ersten zwanzig Minuten der Partie gehen an den Stuttgarter Träsch. Während Hummels durch eine Vielzahl von Unsicherheiten auf seiner neuen Position (musste für den verletztenden Bender ins defensive Mittelfeld vorrücken) auffiel und es ihm nicht gelang zusammen mit Nuri Sahin die Angriffe der Stuttgarter durch die Mitte und somit einige vielversprechende Torchancen zu unterbinden, schaffte es auf der anderen Seite Träsch eben diese entstandenen Lücken zu nutzen und sich durch erste gute Pässe in die Offensive einzubringen. So war es auch nicht verwunderlich, das es Hummels nicht gelang den entscheidenden Pass auf Hleb zu unterbinden, der letztlich den entscheidenden Angriff zum 1:0 einleitete.
Nach der gelungen Führung konzentrierte sich der VFB mehr auf die Arbeit nach hinten und gegen den Ball, so ist auch von Träsch in dieser Phase des Spiels nur sehr wenig zu sehen. Seine defensive Arbeit ist allerdings sehr solide und verhindert den ein oder anderen Dortmunder Vorstoß. Durch die entstandenen Räume im Mittelfeld schafft es der BVB allerdings gegen Ende der ersten Halbzeit das Spiel besser in den Griff zu bekommen. Vor allem Hummels wird in dieser Phase immer stärker. Seine Pässe werden präziser und sein Auftreten sicherer. Er scheint auf seiner neuen Position endlich angekommen.
2. Halbzeit
Die Zeit nachdem verschossenen Elfmeter der Stuttgarter kann als stärkste Phase des BVB angesehen werden. Sichere Kombinationen und größtenteils gut durchgeführte Angriffe in Richtung des Stuttgarter Tores führen dann un der 55 Minute zum verdienten 1:1 Ausgleich. Auffälligster Spieler in dieser Phase in der auf Seiten der Dortmunder Mats Hummels, dem es dann auch gelingt, mit einem 35 Meter Flachpass auf Kevin Großkreutz, den entscheidenen Angriff zum 1:1 einzuleiten. Ach defensiv kann man ihm zumindest bis zur 77 Minute ein gutes Zeugnis ausstellen. Gewonnene Zweikämpfe in der Luft und am Boden machen es den Stuttgartern schwierig den Ball vor das Dortmunder Tor zu bekommen. In der 77. Minute allerdings hätte eine frühere Grätsche gg. den heranstürmenden Progrebnyak das folgende Foul von Schmelzer an der Straßraumgrenze und damit den, zum 2:1 führenden Freistoß, verhindern können. Allerdings sah die gesamte Dotmunder Hintermannschaft in dieser Szene sehr schwach aus. Dieses Tor hätte sicherlich verhindert werden können.
Während als Hummels in der zweiten Halbzeit seine Leistungen durchaus steigern konnte, blieb Träsch die meiste Zeit sehr blass. In der Dortmunder Drangphase war er, wie die gesamte Stuttgarter Mannschaft, sehr verunsichert und fiel höchstens durch Fehlpässe und verlorene Zweikämpfe auf. Erst nach der erneuten Führung in der 77. Minute brachte sich Träsch mit einem sehenswerten Trick (79. Minute) und mit einem noch sehenswerteren Tor (89. Minute) zurück ins Spiel. Nach eienm Pass von Hilbert schlenzte er den Ball von der rechten mittleren Strafraumkante in die linke Ecke des Dortmunder Tores. Marc Ziegler, der Dortmunder Torhüter, hatte keine Chance. Es war das erste Tor von Träsch in dieser Saison.
Fazit
Der Kicker beschreibt diese Partie als “sehr zerfahren”. Zerfahren kann man auch die Leistungen der beiden Spieler nennen. Beide Spieler hatten im Verlauf des Spiels öfters Phase in denen sie ihre Leistung bringen konnten und gute Akzente gesetzt haben, allerdings gab es ebenso Phasen in denen man von beiden Spielern längere Zeit überhaupt nichts gesehen hat. Im Detail sieht das Fazit wie folgt aus:
Für Hummels…
… spricht in diesem Spiel, das er es mal wieder geschafft hat, aus der Defensive heraus mit einem klugen Pass in die Spitze, einen entscheidenden Angriff eingeleitet zu haben. Weiterhin konnte er seine Zweikampfsstärke und Kopfballstärke in den verschiedensten Positionen unter Beweis stellen. Allerdings hat man vor allem zu Beginn des Spiels gemerkt, das er sich erst auf die neue Position im defensiven Mittelfeld einstellen musste. Auf seiner gewohnten Position in der IV hat er bisher wesentlich stärkere Leistungen gebracht. Gerade zu Beginn der zweiten Halbzeit war dann aber auch zu sehen, das er durchaus eine Option für diese Position ist.
Für Träsch…
… spricht alleine schon das sehr schöne Tor in der Schlussminute der Partie. Sicherlich ermöglicht durch eine aufgerückte Dortmunder Verteidigung, zeigt dieses Tor allerdings wie viel Gefühl Träsch in seinem linken Fuss hat. Linksfuß zu sein, war schon immer ein Vorteil in einer Nationalmannschaft aus Spielern, die nur den rechten Fuß zum Fussball spielen benutzt. Blieb darüber hinaus aber über weite Strecken des Spiels sehr unauffällig und konnte sich nur sehr selten in die Offensive einbringen. Defensiv war es eine sehr solide Partie, ohne größere Fehler.
Setzt man die Leistungen beider Spieler also nebeneinander kann man von einem Unentschieden sprechen. Da wo Hummels im Verlauf des Spiels mehr das Heft des Handelns in die Hand genommen hat, konnte Träsch vor allem in der Schlussphase der Partie durch sein sehenswertes Tor für Aufsehen sorgen. Wenn ich mir allerdings die Spielweise, die Rolle innerhalb der Mannschaft und die bisherigen Leistungen (siehe Tabelle) von Christian Träsch anschaue, kann ich nicht verstehe, wieso dieser zu einem Leistungstest der Nationalmannschaft nominiert wird, während Spieler wie Hummels (aber auch Höwedes oder Badstuber, ebenfalls mit einem ähnlichen Positionsprofil) mit der Begründung vertrötestet werden, das sich “junge Spieler noch gedulden müssen”. Man kann sicherlich argumentieren, das ein Träsch inzwischen eher im defensiven Mittelfeld seine Stärken besitzt, aber Spiele wie das in Stuttgart oder auch das U21-Finale in Schweden dürften gezeigt haben, das Hummels auf dieser Position durchaus auch einsetzbar ist und seine Leistungen bringt.
Viel wird allerdings sicherlich auch davon abhängen, wie sich die Leistungen in den nächsten Wochen entwickelt. Beide Mannschaften sind auf einem sehr guten Weg und bringen seit Beginn der Rückrunde sehr gute Leistungen. Da beide Spieler in ihren Teams gesetzt sind, dürften sie davon stark profitieren und auch in den nächsten Spielen gute Leistungen bringen. Man darf gespannt sein, ob Löw am Ende wirklich seiner Linie treu bleibt und Träsch einen Platz im WM-Kader einräumt. Man sollte allerdings Hummels bis zum Ende auf der Liste haben. Das er eine gute Option ist, hat er in der Vergangenheit schon bewiesen.










Hey,
… Interessante Gegenüberstellung. Ich konnte am Sonntag leider nur die zweite Halbzeit des Spiels verfolgen und da waren die Vorteile schon bei Hummels.
hab mich jetzt durch deinen langen Vergleich gekämpft
War Löw eigentlich im Stadion? Hat er einen Kommentar abgegeben?
Nun ja, das letzte Spiel ist natürlich ein schlechter Vergleich für die beiden Spieler, da Hummels nicht auf der angestammten Position gespielt hat.
Alles in allem sind beide keine schlechten Spieler, aber ich sehe Hummels dennoch vorne. Er spielt einfach die bessere Saison.
Ich kann mir allerdings auch nicht vorstellen, dass Löw über seinen Schatten springt und bei seiner Nominierung auf Träsch verzichtet. Da spielt einfach der Stuttgart-Bonus mit.
Aber das Thema dürfte sich nach der WM sowieso erledigt haben. Nach dem Scheitern der Vertragsverhandlungen von Löw und Co kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er nach der WM noch Trainer ist. Eine gute WM von Deutschland kann ich mir nämlich auch nicht vorstellen.
Als springenden Punkt sehe ich auch, dass Hummels nicht auf seiner Stammposition gespielt hat. Vor welchem aktuellen deutschen Innenverteidiger müsste sich Hummels denn verstecken? Schön, dass du diesen ausführlichen Vergleich gemacht hast – ich habe letzten Sonntag natürlich nicht speziell auf diese beiden geachtet. Trotz der Positionsänderung scheint sich Mats ja ganz gut geschlagen zu haben.
Und gerade hat Hummels sein fünftes Saisontor gemacht
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