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Hummels vs. Träsch – ein Vergleich (Teil 1)

31 Januar 2010 931 views 7 Kommentare

Streitpunkt Spielernominierungen

Die Nominierungen eines Bundestrainers sind seit jeher Grundlage für große Diskussionen und Streitigkeiten unter den Fans. So überwarf sich Lothar Matthäus 1996 kurz vor Beginn der Europameisterschaft in England mit dem damaligen Bundestrainer Berti Vogts und verspielte somit seine eigentlich sicher geglaubte Nominierung. Dies war allerdings zu Zeiten Berti Vogts eine Ausnahme. Mit Spielern wie Jürgen Klinsmann, Jürgen Kohler, Matthias Sammer, Oliver Bierhoff, Thomas Helmer, Christian Ziege oder auch Torhüter Andreas Köpke war eine Vielzahl von deutschen Fussballern auf dem Zenit ihrer Karriere und so kam es bei den Nominierungen kaum zu großen Überraschungen.
Inzwischen knapp 14 Jahre nachdem letzten Titelgewinn der deutschen Nationalmannschaft bei einer EM/WM hat sich dies grundlegend geändert. Seitdem Jürgen Klinsmann zusammen mit Jogi Löw 2004 die Nationalmannschaft im Hinblick auf die WM2006 übernommen hat kommt es immer wieder zu großen Überraschungen. So gab es mit David Odonkor eine Nominierung, die so gut wie keiner der so genannten Experten auf dem Zettel gehabt haben dürfte.
Nachdem Rücktritt von Klinsmann steht nun Jogi Löw der Nationalmannschaft alleine vor und scheint den Weg der überraschenden Nominierungen weiter zu gehen. So dürfte es viele Fans überrascht haben, das Jogi Löw für einen aktuellen Leistungstest den jungen Christian Träsch erneut aktuell sehr erfolgreich spielenden Nachwuchsfussballern wie Mats Hummels (Borussia Dortmund), Holger Badstuber (Bayern München) oder Benedikt Höwedes (Schalke 04) vorgezogen hat. Sicherlich handelt es sich hier bei erst einmal nur um einen Leistungstest, der aber zu gleich auch als ein erstes Signal zu verstehen ist, welche Spieler im Moment im Fokus des Bundestrainers liegen. Gekicke.com betrachtet nun die Spieler Träsch und Hummels einmal genauer und versucht zu erschließen, wo Löw die Vorteile beim Spieler Christian Träsch sieht.

Träsch oder Hummels

Träsch dürfte Fans außerhalb von Stuttgart bisher kaum aufgefallen seien. So kam er bisher unter Löw erst zu einem Kurzeinsatz in der Nationalmannschaft und Einsätze in den U-Nationalmannschaften sind in seinem Steckbrief nicht verzeichnet. So fällt es vielen Fans schwer zu verstehen, wieso Bundestrainer Löw ihm Spielern wie Hummels, Höwedes oder Badstuber, die ein ähnliches Positionenspektrum abdecken wie Träsch, im Fall von Hummels oder Höwedes ihre Leistungen und Erfolge auch schon in der U21 feiern konnten.
Vor allem Dortmunder Hummels wurde in den letzten Wochen aufgrund konstant starker Leistungen bspw. vom DFB-Sportdirektor Sammer und einigen so genannten Fussballexperten[*spox.com] aufgrund seiner Entwicklung im Kreis der Nationalmannschaft gesehen. Während Hummels seine Nichtnominierung nach eigener Angabe “nicht enttäuscht oder wütend” [*taz] macht.
Das vergleichende Leistungsprofil der letzten Jahre zeigt, das beide Spieler auf einem ähnliche Niveau spielen:

1. Positionsvergleich

Der Rechtsfuß Hummels hat seine Stärken vor allem in der Innenverteidigung und hat dort zusammen mit Neven Subotic seine stärksten Bundesligaspiele absolviert. Das er allerdings auch als modernen 6er spielen kann, hat er im Finale der U21-Europameisterschaft gezeigt, wo er großen Anteil daran hatte, dass das Finale gewonnen werden konnte. Durch seine Kopfballstärke ist er besonders bei Standardsituationen im eigenen, aber auch im gegnerischen Strafraum eine Bank. Neben seiner Kopfballstärke ist vor allem die Spieleröffnung und die Spielübersicht zu nennen.
Der beidfüssige Träsch gilt als Defensivallrounder und ist sowohl als Innen-, Außenverteidiger wie auch im defensiven Mittelfeld einsetzbar. Er gilt als besonders Zweikampfstark und konditionell auf einem sehr hohen Niveau. In letzter Zeit hat er seine Stärken vor allem im defensiven Mittelfeld und wird dort auch von neuem Stuttgarter-Trainer Groß eingesetzt. Hier dürfte es allerdings in der Nationalmannschaft eine sehr große Konkurrenzsituation geben.

=> Vorteil Träsch, da dieser flexibeler ist und aufgrund seiner Beidfüssigkeit auch als linker Außenverteidiger eingesetzt werden kann

2. Erfahrungsschatz

Hier unterscheiden sich beide Spieler auf dem Papier nicht groß voneinander. Während Hummels ein Dutzend Bundesligaspiele mehr hat und sich als Führungsspieler in der U21-Nationalmannschaft etablieren konnte, kann Träsch schon auf die ersten Erfahrungen in der Champions-League verweisen. Trotz des ähnlichen Erfahrungsschatzes unterscheidet Bundestrainer Löw hier scheinbar zwischen den beiden Spieler. Auf Hummels Chancen angesprochen, in die Nationalmannschaft zu rücken, verweist Löw auf die Unerfahrenheit des Spielers. Bei Träsch scheint dies kein Ausschlusskriterium mehr zu sein.

=> Ungefährer Gleichstand der beiden Spieler, wobei man aufgrund der Erfahrungen und Stellung in der U-Nationalmannschaft leichte Vorteile für Hummels sehen kann.

3. Leistungsvergleich

Diese Unterscheidung würde sicherlich Sinn machen, wenn Träsch in den vergangenen zwei Jahren überragende Leistungen in seiner Mannschaft gebracht hat. Allerdings hat hier Hummels vor allem in dieser Saison die Nase vorn. Während Träsch von den Sportseiten Kicker.de und Sportal.de in dieser Saison im Schnitt mit einer 3,5 benotet wird, steht Hummels mit einer 3,03 eine halbe Durchschnittsnote besser dar. Auch Offensiv konnte sich Hummels bisher 5x in die Torschützenliste eintragen, Träsch schaffte dies bisher „nur“ 2x.
Ein ähnliches Bild zeichnete sich auch in der vergangenen Saison ab. Hier kommt Träsch auf eine Durchschnittsnote von 3,53 und Hummels auf eine Note von 3,21.
Sicher sind diese Noten nur begrenzt Aussagefähig allerdings bieten sie einen ersten Überblick über den Leistungsstand der beiden Spieler

=> Klarer Vorteil für den Dortmunder Hummels, wenn man diese Durchschnittsnote als Kriterium nimmt.


Teil 2 des Artikels „Hummels vs. Träsch – ein Vergleich“ ist online. Im Mittelpunkt steht hier der direkte Vergleich zwischen Hummels und Träsch im Spiel VFB Stuttgart gg. Borussia Dortmund (Endstand 4:1) sowie ein abschließendes Fazit.

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7 Kommentare »

  • Nick sagt:

    Von der Leistung her ist der Vergleich in der Tat eindeutig, gerade auf der Innenverteidiger-Position. Aber über Herrn Löw und die Nationalmannschaft rege ich mich schon lange nicht mehr auf. Typisch natürlich (um Teil 2 deines Vergleichs ein klein wenig vorzugreifen), dass ausgerechnet, wenn der Bundestrainer sich mal ein BVB-Spiel anschaut – weil es gegen den VFB geht – Träsch ein Tor gelingt und Hummels nicht auf seiner besten Position spielen kann.

  • hirngabel sagt:

    Dass ich von Träsch ziemlich viel halte und ihn schon seit längerem als eines der größten Talente beim VfB betrachte, daraus mache ich mit Sicherheit keinen Hehl. Von daher hat es mich sehr gefreut, dass Löw ihn für diesen kleinen Leistungstest berufen hat.

    Unabhängig davon halte ich auch Hummels für einen sehr vielversprechenden Spieler, der hoffentlich ebenfalls demnächst den Sprung schafft.

    Abgesehen davon, dass beide Spieler jung und vielversprechend sind, sowie im jeweiligen Verein teilweise auf der DM-Position spielen, kann ich allerdings nicht ganz sehen, warum man hier zwanghaft beide Spieler in einen direkten Vergleich stellt.

    Sollte Hummels irgendwann in naher oder mittlerer Zukunft den Sprung in den Nationalmannschaftskader schaffen -wovon ich spätestens nach der WM ausgehe-, dann wird er mit Sicherheit für die Innenverteidigerposition nominiert werden und eher nicht für die Position im defensiven Mittelfeld, wo nicht nur die Konkurrenz stärker ist als bei den IVs, sondern er zudem auch nicht ganz so wertvoll.

    Bei Träsch hingegen ist die Lage so, dass er zwar bei uns im DM mittlerweile agiert und dort momentan brilliert (oder zumindest sehr ansprechende Leistungen zeigt in den letzten Wochen), aber er eben doch eigentlich auf der rechten Seite zuhause ist – und dafür ja auch damals von Löw zu seinem ersten Nationalmannschaftsauftritt berufen wurde. Und da wir, wie gesagt, in der Mittelfeldzentrale in der Nati eigentlich recht gut aufgestellt sind, glaube ich auch, dass Löw Träsch nach wie vor eher rechts hinten sieht, da ja auch die Besetzung dieser Position noch nicht ganz klar ist.

    Dementsprechend glaube ich nicht, dass sich Träsch und Hummels gegenseitig um den gleichen Platz im Team streiten würden, so dass eben ein Vergleich nur sehr begrenzt Sinn machen würde.

    Wenn man schon unbedingt wieder die tolle Story von der VfB-Bevorzugung auspacken möchte, dann hätte es doch weitaus mehr Sinn gemacht, Hummels mit Tasci zu vergleichen, der ebenfalls für die Innenverteidigung eingeplant ist und auch eine schwächere Saison spielt als der Dortmunder.
    Gleiches gilt natürlich auch für Arne Friedrich und sogar Per Mertesacker – aber das passt dann ja nicht mehr in die Schwaben-Verschwörungstheorie… ;-)

  • heinzkamke sagt:

    Um die Stuttgarter Fraktion hier zu erweitern: ich stand Träsch lange Zeit überaus kritisch gegenüber und frage mich auch nach wie vor, ob er grade einfach nur weit über seinen Möglichkeiten und die Saison seines Lebens spielt oder ob er wirklich so gut ist.

    Grundsätzlich sehe ich ihn aber, genau wie Hirngabel, nicht in unmittelbarer Konkurrenz zu Hummels. Da frage ich mich schon eher, wieso Robert Huth den Vorzug vor ihm erhalten hat.

  • Ollis (author) sagt:

    Der Artikel war auch eigentlich wesentlich “größer” geplant gewesen. Ich hatte mir eigentlich schon die Spielzeiten-Leistungen von Huth, Tasci, Träsch bzw. Höwedes, Hummels, Badstuber herausgesucht. Gestern nachmittag ergab es sich dann, aufgrund der Verletzungen beim BVB,
    das sowohl Hummels als auch Träsch in sehr ähnlichen Positionen (defensives Mittelfeld/”6er”) zum Einsatz gekommen sind.
    Da ich das Spiel noch dazu im Fernseh verfolgen konnte, bot sich mir dieser Vergleich einfach an. Auch hat es mich einfach einmal interessiert, was dieser Träsch in seiner bisherigen Laufbahn für Spiele beim VFB absolviert hat. Ehrlich gesagt, habe ich bisher von ihm noch nicht so viel gehört. Dazu muss ich allerdings auch sagen, das ich dafür den VFB aber auch nicht intensiv genug verfolgt habe.

    Ich glaube allerdings, das Träsch und Hummels in der Nationalmannschaft durchaus direkte Konkurrenten seien könnten. Sicher hat Träsch in dieser Saison seine besseren Spiele im defensiven Mittelfeld gemacht, er ist aber durchaus auch in der Innenverteidigung einsetzbar ebenso wie Hummels schon sehr gute Spieler im defensiven Mittelfeld (bspw. das U21-EM-Finale) gemacht hat, wo er seine Stärken eigentlich in der Innenverteidigung sieht.

    So finde ich bspw. auch die Aussage Löws interessant, das Hummels noch nicht die Erfahrung und konstante Leistung besitzt um einen Platz in der Nationalmannschaft zu bekommen. Das ist interessant, da Träsch, wie man im Artikel sehen konnte, ungefähr über einen ähnlichen Erfahrungsschatz verfügt wie Hummels. Nur das Hummels hier sogar den Vorteil hat, das er sich schon in einem “großen” Turnier (dem Finale der U21-Europameisterschaft) beweisen konnte.

    Worum es mir in meinem Artikel sicherlich nicht geht, ist das “Gerücht”, das Löw Stuttgarter Spieler bevorzugt, auch wenn ich mir wünschen würde, wenn Löw seine Stadienbesuche etwas mehr streuen würde. Die Bundesliga hat in diesen Jahren eine Menge guter Talente, da lohnt sich sicherlich auch ein häufiger Blick in andere Stadien der Republik. Aber diese Blockbildung hat es in der Nationalmannschaft immer gegeben, die WM wird zeigen, ob Löws Weg auch weiterhin der Richtige ist. Bis jetzt hat ihm der Erfolg in den letzten Jahren immer Recht gegeben und das ist es doch, worum es eigentlich geht.

    Sollte Huth weiterhin im Fokus von Löw stehen, wird es in der Zukunft sicherlich auch einen größeren Artikel über ihn geben. Allerdings sehe ich seine Entwicklung in den letzten Jahren gar nicht so negativ. Aber diese Entwicklung werde ich mir in den nächsten Wochen noch einmal genauer betrachten ;) . Aber jetzt kommt erstmal am Mittwoch der zweite Teil des “Hummels vs. Träsch” – Artikels.

  • Ollis (author) sagt:

    Der zweite Teil des Artikels verschiebt sich auf morgen früh, mir fehlt noch ein abschließendes Fazit

  • Bruce sagt:

    Um die Stuttgarter Fraktion hier zu erweitern: ich stand Träsch lange Zeit überaus kritisch gegenüber und frage mich auch nach wie vor, ob er grade einfach nur weit über seinen Möglichkeiten und die Saison seines Lebens spielt oder ob er wirklich so gut ist.

    Grundsätzlich sehe ich ihn aber, genau wie Hirngabel, nicht in unmittelbarer Konkurrenz zu Hummels. Da frage ich mich schon eher, wieso Robert Huth den Vorzug vor ihm erhalten hat.

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