Kindische Gedankenspiele – Ein Kampf gg. 50+1
Anmerkung zu diesem Artikel:
Gekicke.com möchte in den nächsten Wochen und Monaten immer mal wieder einen Blick auf die aktuellen Entwicklung im Streit um die 50+1 Regel werfen. Hierbei stehen besonders die Entwicklungen in England aber auch die Positionen der deutschen Bundesligavereine besonders im Vordergrund. Eine Übersicht, auch über blogexterne Artikel findet ihr in einem extra für diesen Themenkomplex eingerichteten Bereich: “50+1. im Blickpunkt”.
Solltet ihr weitere interessante Links zu diesem Thema haben, sind wir natürlich sehr dankbar über jeden Link den ihr uns schickt.
Nach der kürzesten Winterpause seit 30 Jahren roll seit gestern der Ball wieder in Deutschlands höchster Spielklasse. Aber schon nachdem ersten Spieltag der Rückrunde wackelt der erste Trainerstuhl schon wieder. Hannover kam mit einer desolaten Leistung mit 0:3 in Berlin unter die Räder. Was für Berlin wieder ein kleiner Hoffnungsschimmer auf den Klassenerhalt bedeutet, lässt Hannover auf Platz 16 abrutschen und damit mitten hinein in den Kampf um den Klassenerhalt.
Aber auch finanziell scheint es bei Hannover 96 in den letzten Monaten nicht wirklich rund zu laufen. Martin Kind, seines Zeichens Präsident des Vereins, sprach in der vergangenen Woche davon, das sich der Verein auch „wirtschaftlich […] im schlimmsten Jahr seit Langem“[*] befinden würde. Unter diesem finanziellen Gesichtspunkt kann man nun auch seinen „Kreuzzug“ gegen die 50+1-Regel sehen. Die so genannte 50+1-Regel verhindert es, das ein Investor oder eine Investorengruppe offiziell die Führung des Vereins übernehmen kann. Diese Regelung ist nach der Ansicht von Martin Kind der Hauptgrund, warum es Vereine, wie beispielsweise Hannover 96, nicht geschafft haben sich in der Spitzengruppe der Bundesliga zu etablieren. So hat es sich Kind scheinbar zur Hauptaufgabe gemacht, für die Abschaffung dieser Regelung zu kämpfen.
Mitte November des letzten Jahres kam es dann, nach Anregungen und diversen Interviews Kinds in diversen Medien, zu einer DFL-Mitgliederversammlung in der die Ideen bzw. das Konzept zur Abschaffung der 50+1 Regel zur Abstimmung stand. In dieser Mitgliederversammlung taten die Vereine „etwas typisch deutsches“[*] und stimmten mit 32 Stimmen (3 Enthaltungen sowie einer Gegenstimmung) gegen die Abschaffung dieser Regel. Kind scheint dieser demokratische Beschluss, aber scheinbar nicht davon abzuhalten, weiter nach Möglichkeiten zu suchen, seine Vorstellungen von einer modernen und gerechten Bundesliga durchzusetzen. Der nächste wahrscheinliche Schritt wird wohl ein Gang vor das europäische Gericht für sein. Nach aktueller Lage der Dinge dürfte ein Urteil gegen die aktuelle Regelung sehr wahrscheinlich sein.
Man kann über soviel Einsatz, bei soviel Kampf gegen den aktuellen Konsens der Liga eigentlich nur den Kopf schütteln, wo liegen die Gründe, wo liegen die Motive?
Eigentlich kann es ihm nicht um die viel beschworene Chancengleichheit bzw. den besseren Aufstiegschancen für Vereine aus den „unteren Regionen“ gehen. Ein Blick nach England genügt um zu sehen, dass es dort trotz Investoren keinen ausgeglichenen Kampf um die internationalen Plätze gibt. Seit Jahren dominieren Mannschaften wie Manchester United, Chelsea London oder auch Liverpool die Liga. Teams wie das traditionsreiche Tottenham Hotspurs sorgen zwar von Zeit zu Zeit mit hohen Transferausgaben für Furore national und international sieht es sportlich aber eher mau aus.
Wenn Martin Kind davon spricht, das er durch regionale Investoren den Umsatz des Vereins von 45 Millionen Euro auf ca. 70 Millionen Euro bringt, werden andere Vereine mit einer wesentlich höheren Ausstrahlungskraft darüber nur lächeln können. Hier wird es in der 1. und 2. Bundesliga eine Vielzahl von Vereinen geben, die wesentlich mehr Geld durch Investoren genieren könnten. Das Ungleichgewicht der Liga würde bleiben. Zwar würde sicherlich der ein oder andere weitere Weltstar nach Deutschland gelockt werden und Kind müsste nicht mehr ehemalige Kurzzeitnationalspieler verpflichten um sich etwas Glanz nach Hannover zu holen, das Hannover allerdings aus dieser Preisspirale am Ende als Sieger hervorgeht, ist zu bezweifeln. Nach den Aussagen der letzten Woche scheint es Kind aber erst einmal darum zu gehen, finanzielle Lücken im Etat durch Investorengelder zu schließen. So hat man in den letzten drei Jahren 17 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben, aber nur 4 Millionen durch Verkäufe von Spielern wieder in die Kassen gespült. Das Hannover in den letzten Jahren sportlich gesehen auf der Stelle tritt scheint also nicht unbedingt an den bisher fehlenden Mitteln gelegen zu haben, sondern vielmehr am sportlichen Konzept. Es wäre dem Verein und vor allem seinem Präsidenten zu wünschen, das man in Zukunft lieber mehr Zeit in die Ausarbeitung sportlicher und finanziell tragfähigen Konzepten innerhalb des Liga-Konsens steckt, anstelle aus egoistischen bzw. vereinspolitischen Gründen versucht eben dieses zu kippen.
Bleibt im Hinblick auf die sportliche Talfahrt des Vereins eigentlich nur noch die Frage, ob Kinds Investoren auch die zweite Bundesliga für so attraktiv halten und dort ebenfalls über dreißig Millionen investieren wollen. Der Bundesliga würde die wegfallende mediale Präsenz eines Martin Kinds jedenfalls nicht schaden.
Und demnächst bei “50+1 im Blickpunkt”:
Ein Blick auf die Insel. Die Dominanz im englischen Fussball vs. Proteste der Basis. Was haben Investoren dem “Mutterland des Fussballs” gebracht.










[...] Kindische Gedankenspiele – Ein Kampf gg. 50+1; (Montag, den [...]
Hannover hat heute schonmal den Trainer entlassen. Ob das der Mannschaft neue Impulse geben wird?
Falls Hannover wirklich absteigen sollte, wäre zumindest einer der “lautesten” Führsprecher der Abschaffung der Regel für eine zeitlang ruhig gestellt. Leider wird sich die Liga hier früher oder später in Richtung ausländischer Regeln bewegen. Hoffentlich sind bis dahin schon einige Vereine in England zusammen gebrochen, dann gibt es kein “Vorbild” mehr zum nacheifern.
Ich glaube nicht, dass Herr Kind vor das europäische Gericht gehen wird. Ich halte das für eine Drohgebärde. Wenn man sich seinen Vorschlag ansieht, der abgelehnt wurde, war er genau so zugeschnitten, dass Hannover voll profitiert hätte, aber alle anderen Vereine erst einmal gar nichts davon hatten.
Kippt das europäische Gericht das ganze aber, dann ist die Regelung vollkommen offen ohne Einschränkungen und so verrückt wird Herr Kind nicht sein. Er weiß selber, dass es in Deutschland viele Vereine gibt die attraktiver für Investoren sind als Hannover.
Ich glaube nicht, dass Herr Kind vor das europäische Gericht gehen wird. Ich halte das für eine Drohgebärde. Wenn man sich seinen Vorschlag ansieht, der abgelehnt wurde, war er genau so zugeschnitten, dass Hannover voll profitiert hätte, aber alle anderen Vereine erst einmal gar nichts davon hatten.
Kippt das europäische Gericht das ganze aber, dann ist die Regelung vollkommen offen ohne Einschränkungen und so verrückt wird Herr Kind nicht sein. Er weiß selber, dass es in Deutschland viele Vereine gibt die attraktiver für Investoren sind als Hannover.
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